Archiv für den Monat: November 2018

Am Totensonntag sagen wir ihre Namen

Grenzen töten – gemeinsam gegen das Vergessen

Am Samstag vor dem Totensonntag veranstalteten wir am Odeonsplatz eine Mahnwache. Wir gedachten all den Menschen, die an den europäischen Außengrenzen verschollen oder umgekommen sind. Wir erinnerten an die Menschen, die unsere Freund*innen und Nachbar*innen hätten sein können. Wir trauen um die Menschen deren Tod im Mittelmeer hätte vermieden werden können.

Wir haben die Namen verlesen von Verstorbenen und Vermissten. Dies geschah das gesamte Wochenende über in vielen Seebrücken Städten in Deutschland und Österreich.

Außerdem haben wir gemeinsam mit vielen Seebrücken in Deutschland und Österreich Forderungen an die Innenminister des Bundes und der Länder verlesen, die vom 28. bis 30. November in Magdeburg zur Innenministerkonferenz zusammenkommen:

Das Sterben an den Außengrenzen muss aufhören.
Seenotrettung ist kein Verbrechen sondern humanitäre Pflicht.
Schafft sichere Fluchtwege: Schiffe und Flugzeuge statt seeuntaugliche Schlauchboote.
Schafft Sichere Häfen: gebt Städten und Ländern die Möglichkeit Geflüchtete aufzunehmen.

Mahnwache am 24.11. am Odeonsplatz

Gemeinsam mit vielen anderen Städten ruft die Seebrücke München zum Gedenken auf. Unsere Mahnwache findet am Samstag, 24.11. um 16.00 Uhr am Odeonsplatz statt.

Grenzen töten – Gegen das Vergessen: In Gedenken an die Toten und Vermissten verursacht durch die Abschottung Europas

Am 25. November ist Totensonntag, ein Tag des Gedenkens für die Verstorbenen.
Für das Totensonntags-Wochenende rufen wir auf zum öffentlichen Gedenken an die Menschen, die an den europäischen Grenzen gestorben sind.
34.361 Menschen auf der Flucht, so hat es das Netzwerk UNITED FOR INTERCULTURAL ACTION dokumentiert, sind seit 1993 in Folge der Abschottungspolitik gestorben. Sie haben Sicherheit und ein besseres Leben in Europa gesucht, doch sie fanden den Tod. Die größte Gruppe unter ihnen sind die Ertrunkenen im Mittelmeer. Und das Sterben geht weiter: Durch die Verweigerung sicherer Fluchtwege und durch die Behinderung der freiwilligen Seenotrettung.
Die Tode dieser Menschen auf der Flucht wiegen besonders schwer, denn sie waren vermeidbar. Das Sterben im Mittelmeer ist kein Unglück. Menschen, denen Hilfe bewusst verweigert wird, sterben nicht einfach, sondern sie werden getötet.
Wir gedenken dieser Menschen, die unsere Freund*innen und Nachbar*innen sein könnten, aber den Weg zu uns nicht überlebt haben.
Wir sind zugleich unfassbar wütend über die tödliche Abschreckungpolitik an den europäischen Grenzen. Das Sterben kann und muss beendet werden. Jetzt.

Vom 28.-30. November findet in Magdeburg die Innenministerkonferenz statt. Hier kommen die Verantwortlichen für die Grenz- und Migrationspolitik Deutschlands zusammen: Der Bundesinnenminister und seine 16 Kolleg*innen aus den Bundesländern. Mit unserem Gedenken senden wir ihnen eine Botschaft:

An die Innenminister*innen des Bundes und der Länder:
Wir gedenken heute der Ertrunkenen auf dem Weg nach Europa auf der Suche nach Sicherheit die hier nie ankamen.
An die Innenminister*innen des Bundes und der Länder:
Wir fordern von Euch!
Das Sterben an den Grenzen muss aufhören!
Wir wollen sichere Fluchtwege, Schiffe und Flugzeuge statt lebensgefährlicher Schlauchboote.
An die Innenminister*innen des Bundes und der Länder:
Seenotrettung ist kein Verbrechen!
Seenotrettung ist eine humanitäre Pflicht!
Deshalb:
Unterstützt die Retter*innen und protestiert gegen ihre Krimimalisierung!
An die Innenminister*innen des Bundes und der Länder:
Wir wollen Sichere Häfen Länder und Städte, die Geflüchtete aufnehmen und willkommen heißen.
Deshalb:
Gebt den Ländern und Städten das Recht Menschen aufzunehmen, aus dem Mittelmeer und aus den Lagern in Griechenland, Libyen und anderwo!
An die Innenminister*innen des Bundes und der Länder:
Folgt nicht den Hetzer*innen und Rassist*innen!
Hört nicht ihre angeblichen Bedenken!
Hört unsere Wünsche!
Nach einem Ende des Sterbens
Nach einer offenen Gesellschaft
Nach Willkommen und Solidarität

WIR GEDENKEN DER TOTEN DER EUROPÄISCHEN AUSSENGRENZEN FÜR SEENOTRETTUNG UND SICHERE FLUCHTWEGE

#seebrücke #seenotrettungistnichtverhandelbar #safepassage #notsafe #noborders #makethefortresseuropefall #humanrightsforeveryone

+++ Solidarische Grüße nach Rom +++

Wir senden solidarische und anti-rassistische Grüße an die Menschen, die heute in Rom auf die Straße gegangen sind und sich erhoben haben gegen die rassistische Eskalation dort im Land und das vom Parlament verabschiedete sogenannte Salvini Dekret**, welches die Rechte von und den Schutz für asylsuchende Menschen beschneidet und die Freiheit eines jeden Einzelnen attackiert. Die Demonstrierenden forderten die sofortige Rücknahme des Dekretes, die Aufnahme und Versorgung von Migrantinnen und Migranten sowie geflüchteten Menschen. Außerdem solidarisierten sie sich mit dem Bürgermeister von Riace, Mimmo Lucano und forderten seine sofortige Freilassung**. Die Protestierenden zeigten Solidarität mit Riace, einer Stadt, die beispiellose Solidarität und Humanität mit Geflüchteten gezeigt hat und deren Vertreterinnen und Vertreter nun von der italienischen Politik kriminalisiert werden und deren Erfolgsgeschichte nun auf Kosten Geflüchteter umgekehrt werden soll. Des Weiteren positionierten sich die Demonstrierenden gegen soziale Exklusion, gegen zügellosen Rassismus, Gewalt gegen Frauen, Homophobie und jegliche Form der Diskriminierung. Außerdem forderten sie ein klares NEIN zu Refoulments** und Vertreibung.

Wir unterstützen diese Forderungen und fügen noch den Aufruf hinzu, die Häfen wieder zu öffnen für Schiffe mit aus Seenot geretteten Menschen an Bord. Außerdem fordern wir die sofortige Einstellung der rein politisch motivierten juristischen Verfolgung der Iuventa-Crew von Jugend Rettet e.V.

##indivisibili
#seebrücke #opentheportsopenthecities
#seenotrettungistnichtverhandelbar #fckracism
#makethefortresseuropefall #siamotutiantifacisti
#solidarity #refugeesarewelcome #humansrightsforeveryone

**Weitere Infos:

https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-09/italien-migrationspolitik-aslyrecht-verschaerfung-matteo-salvini

https://www.tagesschau.de/ausland/italien-migration-101.html

https://www.bamf.de/DE/Service/Left/Glossary/_function/glossar.html?lv3=1504404&lv2=1364188

https://www.humanrights.ch/de/service/menschenrechte/non-refoulement/

https://www.sueddeutsche.de/politik/italien-hausarrest-fuer-einen-engagierten-1.4154521

https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-06/seenotrettung-mittelmeer-fluechtlinge-ngos-italien-matteo-salvini